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Behandlungsablauf in einer Praxis für Klassische Homöopathie
(Vortrag von Angelika von Stackelberg)


Im Organon, Hahnemanns grundlegendem Buch der Behandlungsmethode besagt §1: „Des Arztes höchster und einziger Beruf ist, kranke Menschen gesund zu machen, was man heilen nennt.“ Heilen heißt „heil werden“, den Körper in seinen Funktionen, dem Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele wieder in das Gleichgewicht zu bringen, damit der Tagesablauf ohne starke Beeinträchtigungen durch körperliche oder geistige, sowie emotionale Symptome ausgeübt werden kann. Samuel Hahnemann beschrieb dies im § 9 folgendermaßen: „Im gesunden Zustand bewirkt die Lebenskraft, dass in uns die einzelnen Organe, Gemüt, Wille und Intellekt harmonisch miteinander arbeiten, so dass wir unsere Lebensaufgabe erfüllen können.“ Dies wäre dann Gesundheit. Warum geht jemand zum Klassischen Homöopathen? Warum könnten sie zum Homöopathen gehen? Sie haben z.B. jahrelang Schmerzen. Die Ärzte konnten allerdings keine organischen Schädigungen durch ihre diagnostischen Verfahren wie Laborwerte, Gastroskopien, Röntgenaufnahmen messbar nachweisen. Ihre Beschwerden wurden dann als psychosomatisch bezeichnet. Wie oft treten dann wohl Schuldgefühle auf, weil man vielleicht glaubt, dass mit einem selbst, als Persönlichkeit etwas nicht stimmt. Dabei spüren sie deutlich eine Beeinträchtigung durch Schmerzen oder Missempfindungen, Phänomene, die noch nicht messbar sind, weil noch keine Funktionseinschränkung oder Schädigungen erkennbar sind und trotzdem sind sie vorhanden, sie spüren sie. Die ersten Zeichen einer vielleicht später tatsächlich eintretenden organischen Beeinträchtigung. Oder sie gehen zum Homöopathen weil durch die jahrelange Behandlung mit Antibiotika, Cortison, starken Schmerzmitteln u.a. Folgeerscheinungen auftraten, die nicht mehr zu behandeln waren. Oder die Vertreter der schulmedizinischen Behandlung Ihnen erklärt haben, dass sie nichts mehr für sie tun können. Es gibt sicher noch andere Gründe, warum Sie zum Homöopathen gehen. Aber was erwartet Sie eigentlich bei einer klassischen homöopathischen Behandlung? Die wichtigste Grundlage, die Basis einer erfolgreichen Behandlung bildet die sogenannte Anamnese. Diese Erstkonsultation dauert in der Regel zwischen 1-3 Stunden. Die Dauer der Anamnese ist meist von Alter und der Beschwerden des Patienten abhängig. Bei einem Kleinkind benötigt der Homöopath weniger Zeit als bei einem Erwachsenen mittleren Alters. Der Homöopath wird sich mit seinen Fragen und Ihren geschilderten Beschwerden, sowie Ihrer Familienanamnese und evtl. Impfreaktionen ein Bild von Ihrem System, d.h. Ihrem Körper, Ihrem Geist und Ihren Emotionen machen. Sie müssen sich vorstellen, dass wir als lebendiger Organismus ständig auf alle Einflüsse von außen reagieren. Und zwar jeder auf seine ihm möglich Art und Weise. Alles hat seine Auswirkungen. Sie sind Hitze, Kälte, Jahreswechseln, Nahrungsmitteln, der täglichen Arbeit, zwischenmenschlichen Beziehungen, den Kindern, Fernsehfilmen ausgesetzt. Wie der jeweilige Körper damit umgeht, hängt dann ganz von der persönlichen Konstitution ab. Ist unser individuelles Immunsystem, dass von unserer genetischen Disposition abhängt, nicht mehr in der Lage die vielen Einflüsse zu regulieren, entsteht negativer Stress. Der eine Körper wird mit Magenschmerzen reagieren, der andere mit Kopfschmerz, Zähneknirschen im Schlaf, übermäßigem Schokoladekonsum, Müdigkeit, Aggressionen und vielen anderen möglichen Reaktionen. Kann der Stressfaktor nicht eingeschränkt werden, kann es zu funktionellen Störungen von Organen kommen, d.h. wenn der Körper nicht mehr durch Ruhe, Schlaf, sich ins Gleichgewicht bringen kann. Es treten dann dauerhafte Störungen ein. Das kann eine chronische Verstopfung sein, regelmäßiger Kopfschmerz oder eine ständig verstopfte Nase usw. Wer welche Beschwerden bekommt, hängt natürlich zum einen ganz individuell von der Art der Belastung, z.B. die ständige Kälte im Metzgerberuf, oder die Augenbelastung bei Uhrmachern usw. und der ganz individuellen genetischen Veranlagung ab, die dafür verantwortlich ist in welchem Bereich, Organ, sich unser dauerhafter Stress auswirken kann. Auf der geistigen, der körperlichen oder der emotionalen Ebene. Von den zuerst rein funktionellen Beschwerden, wenn das Organ von außén beeinflusst werden muss, z.B. mit Medikamenten, um wieder im organischen Zusammenspiel des Systems einigermaßen zu arbeiten, kann es später dann zu tatsächlichen Zerstörungen kommen und zwar auch durch eine falsche pharmakologische Medikation. Was z. B. bei Diabetes Typ II der Fall sein kann, da zu Beginn dieser Erkrankung eine rein diätetische Maßnahme auch zu einer Heilung führen kann. Natürlich immer in Abhängigkeit von Alter, Konstitution des Patienten. In der Situation, in der Organe dann tatsächlich geschädigt sind, können Operationen nachfolgen oder es müssen Medikamente eingesetzt werden, die mit ihren Nebenwirkungen sich noch mehr auf den ganzen Organismus auswirken und ihn in Mitleidenschaft ziehen. Aufgabe des Homöopathen ist es nun die Symptome aller Beschwerden genauestens abzufragen. Wie z.B. die Qualität des Schmerzes ist, wann er auftritt. Und zwar nicht nur von der im Moment im Vordergrund stehenden Erkrankung, sondern aller Beschwerden, Erkrankungen und Operationen die bisher im Leben durchgemacht wurden. Der Behandler braucht das ganze Bild. Und dazu gehört auch eine Familienanamnese. D.h. er benötigt auch das Wissen um die Erkrankungen der Eltern und der jeweilig dazugehörigen Verwandtschaft, um anhand deren Krankheiten die Grundbelastung, die miasmatische Grundlage zu sehen und bei der Auswertung berücksichtigen zu können. Miasma kommt aus dem Griechischen und heißt „Verunreinigung“, d.h. die Veranlagungen, die ererbten Schwachpunkte, die unter Belastungen zutage treten können, aber nicht zwingend müssen. (Auf die Miasmen wird Frau Kaiser um 16.15 noch ausführlich eingehen.) Impfungen können in diesem Zusammenhang auch wichtig werden. Anhand möglicher Impfreaktionen werden möglicherweise bei der Anamneseauswertung Schlüsse gezogen, die die Medikamentenwahl beeinflussen können. (Eine Anamnese per Overhead) Nach dieser eingehenden Befragung wird der Homöopath dieses Puzzle von Symptomen und Modalitäten in seiner Auswertung zu einem stimmigen Bild zusammensetzen und das Arzneimittel auswählen, das er für diesen Moment als nötig erachtet. Und direkt abhängig von der Beschwerdelage wird der Behandler die Potenz des Arzneimittels verabreichen, die der Patient in seiner jetzigen Lebensenergie verkraften kann. Es kann durchaus sein, dass er täglich, unter Umständen auch mehrmals Tropfen oder Globuli einnehmen muss, so wie es in der allopathischenBehandlung üblich ist. Es kann aber auch sein, dass er nur eine Gabe eines Arzneimittels erhält und für längere Zeit keine weitere Einnahme mehr erfolgt. Während der Behandlung mit homöopathischen Arzneimitteln ist es sehr wichtig zu beachten, dass es einige Substanzen gibt, die die Wirkung beeinflussen bis zerstören können. Hierzu gehören Coffein in jeder Form, Pfefferminze, Kamille, Campher, Eucalyptus und Menthol. Bei anderen Arzneien kann es auch Essig sein oder andere Stoffe. Der Erfolg der Behandlung in seiner Dauer und Wirkung hängt also auch sehr von dem Patienten ab. Je sensibler ein Organsystem reagiert, desto eher wird auch die Wirkung des homöopathischen Arzneimittels durch eines der Substanzen gestört und der Homöopath kann nicht mehr genau genug beurteilen, was an der Symptomenlage beeinflusst wurde. Die Behandlung zieht sich dadurch in die Länge und wenn man berücksichtigt, dass zwischen zwei Konsultationen auch acht Wochen liegen können, kann sich jeder vorstellen, wie viel wertvolle Zeit verloren geht. Ganz in Abhängigkeit von der Schwere der Erkrankung und der dementsprechenden Potenzgabe wird der Homöopath den Patienten zur Folgeanamnese nach zwei, aber auch erst nach acht Wochen oder länger wieder in die Praxis bitten um die Reaktionen auf das Arzneimittel mit der Anamnese zu gleichen. Ob sich Symptome z.B. gebessert haben, neue hinzugekommen sind, oder alte Beschwerden wieder aufgetaucht sind. Nach der Einnahme des Medikamentes können sogenannte Erstverschlimmerungen auftreten, d.h., das die vom Patienten beschriebenen Symptome sich für eine Zeit lang verschlechtern. Nach dem homöopathischen Prinzip, dass Ähnliches mit Ähnlichem behandelt wird, ist demzufolge eine Erstverschlimmerung als positiv zu bewerten, weil bei der richtigen Wahl des Mittel das Symptom, das das Mittel hervorrufen kann sich mit dem Symptom der Beschwerden deckt. Nach dem Vergleich des Symptomenbildes der Erstanamnese mit der Folgeanamnese beurteilt der Homöopath nach der Bewertung der jetzigen Symptome wie weiterbehandelt wird. Er orientiert sich dabei an dem sogenannten Heringschen Gesetz, das Constantin Hering als Gesetzmäßigkeit eines echten Heilungsverlaufes erkannt hatte: Die Symptome einer Erkrankung verschwinden fortschreitend von oben nach unten (von Kopf zu Fuß), von innen nach außen (von Leberzelle zur Haut), von den wichtigen zu den weniger wichtigen Organen (Vergleich Haut und Herz) und in umgekehrter Reihenfolge ihres Auftretens, d.h. es werden im Heilungsverlauf erneut Symptome von Erkrankungen auftreten, an denen man vor Jahren erkrankt war. (Beispiel am Overhead) Die Behandlungsdauer ist wieder ganz individuell von Patient, Dauer und Art der Erkrankung abhängig. Eine Colitis ulcerosa unter der ein Patient schon 10 Jahre leidet wird eine längere, auch jahrelange Behandlungsdauer erfordern, als eine Verdauungsstörung, die seit einem Jahr besteht. Wobei auch hier gilt, dass der Zustand des Patienten, seine Energie, seine miasmatische Belastung, die Art der Erkrankung immer individuell zu betrachten sind, so dass durchaus auch eine schwere Erkrankung innerhalb weniger Monate zur Heilung gebracht werden kann. Ganz wichtig zu unterscheiden sind natürlich auch die akuten von den chronischen Erkrankungen. Hierauf werde ich nicht weiter eingehen, da Frau Kaiser am Nachmittag in ihrem Vortrag darauf eingeht. Bevor ich Ihnen noch einige Kriterien für die Wahl Ihres Klassischen Homöopathen gebe, möchte ich sie noch kurz auf die Gefahr der Selbstbehandlung hinweisen. Nicht jedes Fieber braucht Belladonna und jeder Sturz Arnika. Gerade Fieber sollte nicht unterdrückt werden. Es ist keine Erkrankung sondern ein Symptom. Erst bei 39°C steigen die Pyrogene im Körper an, die dafür sorgen, das Teile des Immunsystems verstärkt aktiv werden. Der Körper hat seine eigene Abwehr, die nicht unterdrückt werden sollte. Ein blauer Fleck resorbiert ein sonst gesunder Mensch ohne Probleme in kürzester Zeit selbst. Die Unterscheidung zwischen krank und gesund ist nicht ganz einfach. Die Fähigkeit Fieber auszubilden ist erst einmal sehr gesund. Und sobald Erkrankungen gehäuft immer wieder auftreten, sind sie chronisch und sollten dann sowie so von einem erfahren Homöopathen behandelt werden. Kriterien für die Wahl eines guten Klassischen Homöopathen: - Anamnesedauer von 1-3 Stunden - Beachtung der Familienanamnese und Impfreaktionen - Gabe eines einzigen Arzneimittels - Hinweis auf Verzicht von Kaffee etc. - Folgeanamnese - Homöopath oder desses Vertreter muss im Notfall zu erreichen sein.

Angelika v. Stackelberg

1. nimmt alle Symptome auf

2. empfiehlt eine Anamnese (Dauer 1-2 Stunden)

3. verordnet nur ein Mittel auf einmal

4. beobachtet sorgfältig die Reaktionen

5. erwähnt mögliche Störfaktoren wie Kaffee, Kamille, Pfefferminz

6. ist auch am Wochenende erreichbar

7. weigert sich "Schnell und Billighomöopathie" zum Kassensatz durchzuführen